Geschichte

Amtsgericht Eisleben

Am 26.5.1913 wurde das Amtsgericht, nach einer Bauzeit von 2 Jahren, zusammen mit dem neuen Seminargebäude eingeweiht.

Damals ragte das Gericht hoch über Eisleben.

Die Hauptfront in Richtung Park wird von 2 steilen Giebeln beherrscht, 3 kleinere Giebel teilen die Front des Gebäudes in Richtung der heutigen L 151 ab.

Sowohl die Giebel, die Fensterumrandungen und die Giebelabschlüsse sind aus Harzer Sandstein ( aus der Nähe von Blankenburg ) erbaut.

Aus dem gleichen Material bestehen auch die künstlerischen Einzelheiten des Portals.

Die Pfeiler an beiden Seiten des Portals tragen Reliefs. Diese stellen Kinderfiguren dar, die sich mit den Wahrzeichen der Gerechtigkeit, der Waage und dem Schwert, beschäftigen.

Über dem Portal tragen zwei Kindergestalten zwischen Blumengehängen ein Schild, das die Worte trägt : R e c h t  m u s s  R e c h t  b l e i b e n.

Sämtliche Außenflächen waren mit bayerischem Edelputz, dem sogenannten Terranova, behandelt.

Der dreistöckige Bau wird von hohen Ziegeldächern abgeschlossen.

Auf eine reichere Ausgestaltung wurde am Äußeren des Gebäudes fast vollständig verzichtet.

Durch das Hauptportal betrat man die gewölbte Eingangshalle und das Haupttreppenhaus.

Die hohen Treppenfenster sind mit leichter Malerei verziert, die auch heute noch zu sehen ist, und geben dem Treppenhaus ein matt- gelbes Licht. Wände und Gewölbe waren in gelb-goldenen Farbtönen gehalten.

Von der Decke hingen radförmige Kronleuchter herab und gaben den Räumen zusammen mit kleinen zierlichen Ampeln ausreichend Licht.

In jedem der Geschosse lag neben der Treppe ein behaglicher Warteraum, wo die Fenster ebenfalls mit Glasmalerei verziert waren. Die Decke zeigte Rankenornamente, die auf rotem Grund im Sinne der sächsischen Kunst gestaltet war.

Durch ihre freundliche Ausstattung sollen die Warteräume fast wohnlich gewirkt haben.

Von der Treppe aus konnten zu beiden Seiten gewölbte Flure begangen werden, die durch ihren tiefroten Fußbodenbelag im Kontrast zu den hellen Gewölben eine stattliche Wirkung erzielten.

Glasampeln an schmiedeeisernen Ketten bargen die Lampen.

Das Glanzlicht des Gebäudes bildete damals der Strafkammer- und Schöffensitzungssaal.

Die hohen Fenster waren mit Glasmalereien verziert.

Die Decke des Saals war durchgehend mit Holz getäfelt, ebenso waren die Wände mit Holz verkleidet.

Die Ausstattung des Saals wurde aus dem gleichen Holz hergestellt, wie die Decke und die Wände. Über dem Richtertisch prangte zur damaligen Zeit ein großes Kaiserbild.

Gegenüber dem Richtertisch, war eine reich geschnitzte Uhr in die Wand eingelassen, die ebenso wie die anderen Uhren des Gerichtsgebäudes, von einer elektrischen Normaluhr betrieben wurden.

Die 4 Türen des Saals waren mit Tierfiguren verziert, wobei die Tür zum Beratungszimmer die sogenannte `Weisheits-Eule`, die Tür zur Publikumstreppe einen Papagei, die Tür zum Vorführungsgang der Angeklagten einen Unglücksraben und die Tür zum Zeugenraum die alles wissende Elster zeigte.

Für das Publikum führte von der Straße aus eine eigene, separate Treppe in den Saal. Zur Vorführung der Angeklagten war eine getrennte Treppe angelegt, die durch das Erdgeschoss des Hauses in das gegenüberliegende Gefängnis führte.

Im Nordflügel des Gebäudes befand sich ein Zivilsitzungssaal, der durch seine feine und freundliche Ausstattung aufgefallen ist. Die Wände waren in der ganzen Höhe durch Holz aufgeteilt und reich bemalt. Die Decke des Saals war mit Stuck verziert und mit schmalen Goldleisten abgesetzt. Ein vierseitiger geschmiedeter Kronleuchter schmückte den Raum.

Die Dienstzimmer für Richter und Beamte waren einfach ausgestattet. Sie hatten durchweg Doppelfenster, waren mattgrau tapeziert und mit Linoleum ausgelegt. Außer der Deckenlampe wurde den Bediensteten eine Tischleuchte zur Verfügung gestellt.

Im Erdgeschoss des Hauses befand sich damals das Grundbuchamt.

Im ersten Obergeschoss waren außer den Sitzungssälen die Gerichtskasse und die Bibliothek.

Im zweiten Obergeschoss waren weitere Dienstzimmer gelegen.

Das Katasteramt konnte durch einen extra eingerichteten Zugang erreicht werden und lag im Nordflügel des Gebäudes. Die Diensträume dort lagen im Erdgeschoss.

Im Katasteramt wurden Gaslampen zur Beleuchtung benutzt, während im Amtsgericht elektrisches Licht verwendet wurde.

Im Gerichtsgebäude befanden sich zudem 3 Wohnungen, die von Bediensteten genutzt werden konnten.

Derzeit wird das Amtsgerichtsgebäude einer aufwendigen und langwierigen Sanierung unterzogen, um das Innere des Gebäudes in altem Glanz leuchten zu lassen.